#Entdecken – #Erfinden – #Erfahren

Laura Konjetzky | 1. Februar 2017

„Lauraaaa! Welche App lernen wir heute kennen? Ich habe mir schon Boinkss – yellow auf mein eigenes iPad runtergeladen! Wie heißt die Musikapp genau, ich will sie unbedingt haben? Arbeiten wir heute wieder in Gruppen?“ Mit solchen Fragen wurde ich von wissbegierigen, strahlenden, begeisterten Kindern empfangen. Im Kompositionsprojekt #Entdecken – #Erfinden – #Erfahren konnten sie erfahren, wie vielfältig Musikapps als Werkzeuge zur Gestaltung von Musik eingesetzt werden können, um sich kreativ zu betätigen.

Musikapp - Kompositionsprojekt von Laura Konjetzky

 

Wo: Jan-Amos-Comenius-Grundschule in München

Wer: alle Kinder der 3. Klasse / die Geparden

Dauer: 3 Tage, 10. – 12. Januar 2017, 2 x 90 Minuten und 1 x 120 Minuten

#Entdecken – #Erfinden – #Erfahren – Ein Musikapp-Kompositionsprojekt der Komponistin und Pianistin Laura Konjetzky

Ziele:
Bei diesem Workshop werden Kinder spielerisch angeleitet, ihre eigene Kreativität kennenzulernen. Innovative Ideen, Hörsinn, künstlerischer Ausdruck und strukturelles Denken werden gefördert. Das Tablet verwandelt sich vom Alltagsgerät zum Musikinstrument. Der Workshop gibt erste Einblicke in die Möglichkeiten mit Apps Musik zu machen und beleuchtet zudem die Frage: wie entsteht eine Komposition? Die Schüler_innen lernen die Musikapp Keezy und Boinkss – yellow kennen. Es sind keine (musikalischen / technischen) Vorkenntnisse erforderlich.

Tag 1 / Modul 1: Wie klingt meine Schule?

1. Teil: Klangerforschungsphase

Heute arbeiten wir mit der Musikapp Keezy. Mit dieser App können die Schüler_innen Klänge aufnehmen und sammeln. Bevor die Klasse in Klangforschergruppen aufgeteilt wird, sammeln wir gemeinsam unterschiedliche Klangcharaktere. Alles was gesagt wird, schreibe ich auf die Tafel. Das ist unsere Ausgangslage für die Klangerforschungsphase.

Konjetzky_Laura_Musikapp-Kompositionsprojekt_Tafelbild_1

Die Schüler_innen werden in acht Gruppen à drei Kinder aufgeteilt und sollen nun als Klangforscher_innen den Unterrichtsraum und weitere Räumlichkeiten der Comeniusgrundschule erkunden: Wie klingt meine Umgebung?
Welche Klangerzeugungsmöglichkeiten gibt es?

Jede Gruppe hat sich ein oder zwei der gesammelten Klangcharaktere / Klangqualitäten ausgesucht und hat z.B. die Aufgabe tiefe Klänge zu sammeln. Es werden pro Tablet acht Klänge / Klangstrukturen aufgenommen.

Hierbei wird bestimmt, wie jeder  Klang, jede Klangstuktur sein soll: Dieser geformte Klang wird aufgenommen.
Die Schüler_innen lernen unterschiedliche Klänge zu hören, zu benennen und zu gestalten.

Außerdem gibt es in jeder Gruppe eine klare Aufgabenverteilung. Eine(r) ist für das iPad verantwortlich. Es darf z.B. niemals auf den Boden gelegt werden. Eine(r) hat die Rolle der Aufnahmeleitung. Die App ist sehr einfach zu bedienen, es kann gleich losgelegt werden.

2. Teil: Wir machen gemeinsam Musik

Die Klangforschergruppen kommen wieder zusammen und zeigen den anderen ihr aufgenommenes Klangmaterial. Nun probieren wir verschiedene Kombinationen von Klängen aus. Was passt gut zusammen? Was ist unterschiedlich? Wie klingt es, wenn alle gleichzeitig spielen?

Tag 2 / Modul 2: Wir kreieren ein Klangbild

1. Teil: Klangbilder

Die Schüler_in lernen die Musikapp Boinkss – yellow kennen. Boinkss – yellow lädt ein zu experimentieren und bietet auf einfache Weise die Möglichkeit, Klangbilder und Klangstrukturen zu kreieren. Welche Klänge sind in der App enthalten? Welche Klänge lassen sich gut kombinieren?

Da die Klänge teilweise leise sind, wird von Beginn der Stunde an geflüstert. Die Kinder nehmen das sofort auf, und es entsteht eine geheimnisvolle, kreative Atmosphäre. Alle Fragen werden flüsternd gestellt, ich antworte im Flüsterton. Ich zeige kurz die App, dann werden Gruppen à drei Kinder gebildet.

Das Klangbild in der Musikapp Boinkss – yellow lebt davon, dass es dauernd verändert wird. Wie baut sich ein Klangbild auf? Wie kann dieser Verlauf reproduziert werden? Jedes Kind eines Teams malt etwas und gibt dann das iPad weiter. So kommen alle gleichberechtigt dran, und es hat den Charakter eines Spiels.

Die Kinder beginnen sofort und die Phase, selbstständig ein Klangbild zu malen, verlängere ich sogar, da alle hochkonzentriert in den Gruppen arbeiten und voller Enthusiasmus dabei sind. Die Kinder genießen es, so eigenständig mit der App arbeiten zu können.

Konjetzky_Laura_Musikapp-Kompositionsprojekt_Boinkss_Yellow_1

2. Teil: Wir bauen aus Klängen ein Haus

Alle kommen wieder zusammen und stellen den anderen ihr Klangbild vor. Jetzt geht es darum, gemeinsam mit Klängen von der Musikapp Boinkss – yellow ein Haus zu bauen, zu komponieren.

Erst einmal sammeln wir Bausteine eines Hauses. Welche Klänge eignen sich für das Fundament, für das Dach? Jede Gruppe übernimmt einen Teil des Hauses und sucht in einer kurzen Gruppenarbeitsphase geeignete Klänge und Klangstrukturen dafür.

Am Ende des 2. Moduls erklingt die Aufführung von unserem komponierten Haus aus Klängen.

Tag 3 / Modul 3: Wir komponieren ein Musikstück mit den Musikapps Keezy und Boinkss – yellow

1. Teil:

Erinnerung an das Musikstück von Tag 2. Wiederholung der Aufführung, dabei Aufmerksamkeit auf Faktoren wie: alle Kinder müssen mich als Dirigentin sehen können, Spielhaltung, Konzentration, wie gestaltet sich am besten das Ende eines Stücks?

Ein Kind wird als Dirigent ausgewählt und gibt den jeweiligen Gruppen die Einsätze. Anhand dieses Stücks probieren wir verschiedene Anfänge und Enden aus, z.B. das Stück beginnt mit einer Gruppe und es kommen immer Gruppen dazu, oder Tuttianfang …

Danach wird die Klasse in drei Keezygruppen und fünf Boinkss – yellow Gruppen aufgeteilt: Die Keezy-Gruppen haben die Aufgabe, kurze und laute Klänge zu finden, die Boinkss – yellow-Gruppen lange und leise Klänge. Jede Gruppe soll nun konkrete kompositorische Bausteine erarbeiten.

Die Boinkss – yellow-Gruppen sind für die architektonischen Bausteine des Schulgebäudes (z.B. Dach, Wände) zuständig, die Keezy-Gruppen sind für die Dinge und Vorgänge verantwortlich, die in dem Gebäude zu finden sind (z.B. Tische, aber auch Unterhaltungen oder ein „Ruhe!“ extra vom Lehrer aufgenommen…).

2. Teil:

Alle kommen wieder zusammen, und die Kinder finden das Thema und den Titel der Komposition:
Meine beste Schule der Welt„. Der Titel kommt von den Kindern – eine schöne Idee!

Gemeinsam entsteht nun die Komposition. Ich nehme die Kinder bei der Hand und zeige auf, was es für Möglichkeiten gibt, mache Vorschläge und lasse dann die Kinder entscheiden. Im Kompositionsprozess benennen wir die Unterschiede von Keezy und Boinkss-Yellow. Boinkss-Yellow kann z.B. direkt gestoppt werden, Keezy nicht. Solche Gegebenheiten arbeiten wir in die Komposition mit ein.

Jeder ausgedachte musikalische Baustein wird an die Tafel geschrieben und sofort ausprobiert. Eine Pause wird einkomponiert und diesbezüglich probieren wir drei Sekunden Stille aus. Die Kinder sind ganz begeistert von der Idee Soli zu kreieren. Die Keezygruppen machen der ganzen Klasse Angebote für mögliche Soli. Gemeinsam wird das geeignete Material gefunden. Für den Schluss wählen wir einen Baustein, der nicht in den Apps vorkommt: gemeinsames Lachen.

Damit sehen die Kinder, dass es auch gut möglich ist, Klänge aus den Musikapps mit Sprache oder live gespielten akustischen Instrumenten zu verbinden.

Am Ende entsteht ein musikalische Werk. Es wird zum Abschluss der drei Tage in Anwesenheit von einigen Lehrern und der Schulleiterin aufgeführt. Es gibt eine Generalprobe, und wir sammeln gemeinsam im Vorfeld, was wichtig für eine gelungene Aufführung ist. Dazu zählt z.B. gute Sitzposition, Konzentration auf den eigenen Part, immer den Blick zum Dirigenten, niemand spricht währen der Aufführung….

Dann geht es los und das „Gepardenorchester“ macht es wunderbar! Alle sind zufrieden.

Konjetzky_Laura_Musikapp-Kompositionsprojekt_Partitur

Die gesamte Klasse „die Geparden“ hat hochkonzentriert mitgearbeitet und war sehr begeistert. Viele der Kinder hatten sich sofort danach eine der beiden Apps für ihr privates Gerät besorgt. Ich war erfreut zu sehen, wie schnell eine Klasse gemeinsam ein Stück komponieren kann und wie kreativ die Kinder waren.

Die Schule hat Folgendes dazu gepostet: https://www.facebook.com/JanAmosComeniusGrundschule/posts/1440106126023307

Die Pianistin und Komponistin Laura Konjetzky wurde für ihr Schaffen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so dem Leonhard-und-Ida-Wolf-Gedächtnispreis für Musik der Landeshauptstadt München (2002), dem Bayerischen Kunstförderpreis (2006) und dem Musikstipendium der Landeshauptstadt München (2010).
2010/11 war sie Stipendiatin im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg. 2011/12 erhielt sie vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst ein Stipendium für einen sechsmonatigen Studienaufenthalt in der Cité Internationale des Arts Paris.
Für das Djerassi Resident Artists Program 2013 in Kalifornien, USA wurde Laura Konjetzky als Komponistin ausgewählt und mit dem Helen L. Bing Fellowship ausgezeichnet.
2015 erhielt sie das Europäische Musikautoren-Stipendium 2015 der GEMA (EMAS).


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