APPgemixt!

Frauke Hohberger | 7. Januar 2016

Ein Appmusikprojekt in Kooperation mit der Lernoase und dem Medienzentrum Hannover.

Die Lernoase Hannover ist ein medienpädagogisches Zentrum mit offenen Angeboten, sowie einem Kursprogramm zu verschiedenen Medienthemen für Menschen jeden Alters.

Musik mit Apps stößt beim ersten Kennenlernen sofort auf großes Interesse. Gemeinsam entwickeln wir die Idee zu „Appgemixt!“ – zwei Pilottermine noch kurz vor Weihnachten, mit dem Ziel, im neuen Jahr eine regelmäßige Appmusikgruppe in Kooperationen mit Grundschulen im Stadtteil einzurichten.

 

Appgemixt! Flyer

Werbeflyer zu Appgemixt!

Ziele: Die Kinder sollen erste Apps zum Musizieren, Recorden und Komponieren kennenlernen. Apps, die kostenfrei und einfach in der Handhabung sind, so dass sie auch zuhause selbstständig weiter mit Apps musizieren können.

Am Ende dieser beiden Termine steht ein fertiges Produkt: Eine selbst produzierte DVD – weihnachtsgeschenktauglich 🙂

Vorbereitung & Konzept:

Der Zeitumfang liegt bei 2 Terminen á 3 Stunden.

Das Medienzentrum Hannover stellt die iPads zur Verfügung. Garage Band und iMovie sind installiert, ich bitte darum die Apps Mad Pad, Auxy und AudioCopy zu installieren und denke mir folgendes Programm aus:

  1. Mit dem MadPad werden Sounds aufgenommen. Für den Einstieg am iPad halte ich die App MadPad für geeignet. Sie gibt den Kindern die Möglichkeit persönliche Sounds aufzunehmen, sie lernen Einstiegsfunktionen (recorden, pitchen, sampeln ect.) kennen und kommen in Kontakt mit einander, da sie diese Aufgaben zum Teil in Gruppen lösen. Die visuelle Komponente des MadPads macht das Aufnehmen nochmal spannender und persönlicher und ist auch für die Geschenkidee gut geeignet. Eine DVD-Video macht da nochmal mehr her als eine Audio-CD.
  1. In Auxy wird ein eigener Song komponiert. Auxy ist sehr übersichtlich und einfach zu bedienen und für unseren Zeitrahmen sehr geeignet, da die Kinder in kurzer Zeit zu einem musikalischen  Ergebnis kommen können. Sie lernen einen eigenen Song zu komponieren. Es kann einerseits intuitiv gearbeitet werden, andererseits wird durch ein 16tel Raster eine klare Struktur erkennbar, so dass Rhythmen und Melodien bewußt gesetzt werden können. Die Kinder lernen ganz nebenbei erste musiktheoretische Aspekte.
  1. Die Auxy-Komposition wird über etwa 40 Takte zu einem Song aufgenommen und in AudioCopy exportiert. Hier kann sie jetzt im Hintergrund abgespielt werden, während die MadPadsounds wieder geladen werden. Mit den aufgenommen MadPad-Sounds üben die Kinder zu ihrem AuxySong eine freie percussive Improvisation. Diese Improvisation wird aufgenommen.
  1. Die MadPad Komposition und der AuxySong werden in iMovie exportiert und zu einem Film (und somit auch zu einem Musikstück) zusammengefügt.

Die Ergebnisse werden auf DVD gebrannt und den Kindern zugeschickt.

Erstes Ausprobieren

Erstes Ausprobieren

(Fotos: Jens Humke)

Termin 1:

8 Kinder haben sich angemeldet. 7 Jungs, 1 Mädchen (7.-13 J.). Das Begrüßungsgespräch ergibt, dass sie keinerlei Erfahrungen mit dem iPad haben und alle auch noch kein eigenes Smartphone besitzen.

Ich öffne die App MadPad und erkläre so einfach wie möglich die Aufnahmeschritte und Funktionen der App. Die sind den Kindern schnell klar – sie erweitern ihren Englisch-Vokabelbestand um einiges 😉 – und machen sich dann in Kleingruppen auf den Weg durch das Haus.

Das Thema Weihnachten kann sowohl  in den Kompositionen als auch mit Requisiten und Outfit bedient werden, muss aber nicht.

Alle haben großen Spaß beim Entdecken und Aufnehmen der Sounds. Sie bringen das ganze Gebäude zum Klingen und inspirieren sich gegenseitig. Mit den aufgenommen Sounds wird geübt, gespielt, gepitcht, komponiert und schließlich eine Komposition aufgenommen. Die Kinder arbeiten ausnahmslos selbstständig.

Kinder die schon fertig sind, sitzen versunken mit Kopfhören und dem iPad vor sich am Tisch. Sie haben GarageBand entdeckt und experimentieren 🙂

Alle Kinder präsentieren ihre Ergebnisse am Ende der Session stolz der ganzen Gruppe.

Applaus, Applaus!!!

Die drei Stunden sind schnell und entspannt vergangen, und die Kinder sind mit ihren Ergebnissen zufrieden.

Wir kennzeichnen die iPads und fertigen eine Liste an, sodass alle ihr iPad beim nächsten mal wieder finden, und verabschieden uns.

Sampeln und Komponieren

Sampeln und Komponieren

(Foto: Jens Humke)

 

Termin 2:

Die Kinder sitzen motiviert im Raum und erwarten neugierig die nächsten Schritte.

Leider beginnt der Termin damit, dass ich ihnen „beichten“ muß, das ihre MadPad Sounds vom letzten mal nicht mehr vorhanden sind.

Die iPads gingen nach der ersten Session zurück ins Medienzentrum. Trotz ausdrücklicher Anweisung, bitte keinesfalls irgendetwas aus dem MadPad-Browser zu entfernen, wurden – warum auch immer – alle Sounds aus den Madpads gelöscht.

So starten wir beim zweiten Termin erneut mit dem Aufnehmen der Sounds, was jetzt leider nicht mehr von gleicher Lebendigkeit und Frische ist wie beim ersten Mal und natürlich noch mal Zeit kostet.

Dann lernen die Kinder Auxy kennen und erstellen eine eigene 1bar-Komposition.

Auch hier muss ich nicht viel erklären. Die App ist schnell verstanden und alle legen los.

Das unterschiedliche Arbeitstempo der Kinder wird für mich zur großen Herausforderung. Einige nehmen sich viel Zeit, überlegen, verwerfen, gestalten neu. Andere sind schnell zufrieden mit ihrem Sound und fragen: „Was soll ich jetzt machen?“ Manche nehmen Tipps und Inspirationen von mir an und verändern nochmal, andere nicht. Da ich niemanden hetzen und antreiben möchte, sich aber auch niemand langweilen soll, moderiere ich akrobatisch durch die Timeline.

Außerdem führt das unterschiedliche Arbeitstempo dazu, dass ich allen Kindern einzeln die nächsten Schritte erklären muss, was sehr anstrengend ist. Es gibt  viele Details von einer App in die nächste zu beachten, und ich muß die Speichervorgänge und Beschriftungen wie ein Luchs beobachten – denn nichts ist enttäuschender als seine Aufnahmen zu verlieren.

Der Auxy-Song wird in AudioCopy exportiert. Von dort spielt er im Hintergrund,  und in Madpad wird mit den persönlichen aufgenommen Klängen eine percussive Improvisation zunächst geübt und dann aufgenommen.

Dann werden der MadPad-Movie und der Auxy-Song in iMovie exportiert. Auch hier muss ich die einzelnen Schritte diktieren und aufpassen.

Die Kinder sind weiterhin sehr interessiert und geduldig bei der Sache.

Als endlich alle ihre Aufnahmen aus Auxy und dem Mad Pad in iMovie haben, gibt es dort Probleme beim Exportieren der Movies. Selbst bei kleinster Bitrate stoppt der Export auf halber Strecke. Uns rennt die Zeit davon.

Wir kriegen es bis zum Ende unserer Session nicht gelöst.

In einer Abschlußrunde präsentieren alle Kinder noch einmal ihre Ergebnisse.

Ein Mitarbeiter der Lernoase nimmt alles mit nach Hause, spielt es auf sein MacBook und brennt von dort die DVDs, die den Kindern noch pünktlich zu Weihnachten zugeschickt wird.

Puhhh… das war knapp, hat aber funktioniert 🙂

Fazit: die Kinder waren begeistert bei der Sache, haben sich ohne jegliche Vorerfahrung sehr schnell mit den Apps vertraut gemacht und konnten ohne Schwierigkeiten die Aufgaben lösen.

Sie haben sich in der kurzen Zeit mit vielen Themen beschäftigt: Hören und Klänge finden, Aufnehmen, Verändern, Komponieren, Improvisieren, rhythmische Pattern erkennen, Melodien erfinden ect.

Es gab sehr kreative Ergebnisse. Die Kinder (und mich nochmal mehr 🙂 begeistert immer wieder die musikalische Qualität der Kompositionen. „O.K., kein Kunststück“, mag mancher sagen, wenn Tempo und Tonart voreingestellt sind.

Aber DAS ist das Schöne am Musizieren mit Apps! Es macht großen Spaß in der Fülle der Musik zu gestalten und sich an musikalischen Ergebnissen zu erfreuen.

Es motiviert, erzeugt Klangvorstellungen und bietet die Möglichkeit musikalische Ideen sofort umzusetzen.

Die Kombination der Apps MadPad und Auxy bot eine gute und abwechslungsreiche Mischung mit unterschiedlichen musikalischen Anforderungen.

Drei Stunden waren ein guter Zeitrahmen für diese Produktion.

Und auch die Teilnehmerzahl von 8 Kindern war gut. Viel weniger macht eine Gruppe schon sehr privat und reduziert auch den gegenseitigen Austausch und das voneinander Lernen. Mehr Kindern kann man aber die vielen Fragen nicht mehr angemessen und ohne zu lange Wartezeiten beantworten.

Ein aussagekräftiges Feedback der Kinder zu bekommen war leider nicht möglich. Nach dem ersten Termin habe ich in der Abschlußrunde gefragt wie es ihnen gefallen hat, was sie am Besten fanden, was besser sein könnte……- betretenes Schweigen. Ich nehme an weil sich alle fremd waren. Auf meine Frage hin, ob sie denn das nächste Mal wiederkommen, nickten dann alle strahlend 🙂

Nach dem zweiten Termin kam es durch die zeit – und nervenraubenden auftauchenden technischen Probleme leider zu keiner Feedbackrunde mehr.

 

Frauke Hohberger

www.musik-zieht-immer.de

Freie Musikpädagogin. Schwerpunkte: Rhythmus & Percussion, Songwriting für Kids, Musik mit Apps. Ensembleleitung, Dozentin, Autorin (u.a. Selfie mit Löwenzahn - entdecke die Natur mit Smartphone & Tablet, 2016 Haupt Verlag) Sie hat den ersten Durchlauf der tAPP-Fortbildung besucht und leitet seit dem verschiedene Appmusikgruppen und Projekte.

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