Loopy: Stimme und Apps

mika | 25. November 2015

Wie kann man mit neuen Medien und der menschlichen Stimme in der Schule arbeiten? Technische und musikalische Möglichkeiten werden in diesem Blogbeitrag mit den Apps Loopy HD, Audiobus und Improvox gezeigt.

Unser Team im Pilotkurs des Zertifikatskurs tAPP (im November 2015) hat in den letzten Tagen intensiv an einem Lehrkonzept für Schulen getüftelt. Die Verwendung des iPads und eine Anzahl an Methoden bilden gemeinsam den Rahmen für eine barrierearme, inklusive und leicht verständliche Vermittlung. Die beiden Elemente Musik und iPad sind derzeit nur unzureichend ausgeleuchtete Elemente in der schulischen Pädagogik und damit ein für das Team spannendes Feld in der Entwicklung und Erprobung eines innovativen Lehrkonzeptes.

Appmusik_tAPP_Loopy_Workshop2

Grundidee war es, dass die Schüler_innen ihre eigene Stimme als Instrument entdecken und mit iPads weiterentwickeln. Wir haben uns entschieden, einen Looper als Technik einzusetzen.

Ein schönes, inspirierendes Beispiel für den Einsatz der Stimme beim Musikmachen mit Loops ist der bekannte Loopartist Rico Loop:

Inhalte

Ein Fokus des Projektes lag auf der Entwicklung einer erweiterten Medien-& App Kompetenz. Es sollte das Verständnis von Metrik und Rhytmik, der phonetischen und musikalischen Wahrnehmung, der Selbstreflexion und der künstlerischen Kreativität gefördert werden.

Das hier vorgestellte Projekt ist in der Form für Jugendliche von 14 bis 16Jahren konzipiert.

Ziele

Das konkrete musikalische Ziel war zum einen das Entdecken der Stimme als Instrument sowie die Einführung in Grundlagen für Wahrnehmung von Körper, Atmung und Stimmtraining.

Ein weiteres Ziel ist ein erstes Erfahren und Erlernen der Grundlagen zeitgenössischer Musikproduktion.

Überlegungen zu Methoden/Arbeitsweise

Das Konzept umfasste eine innovative Mischung unterschiedlicher Methoden, welche abgestimmt auf die Inhalte und Ziele waren.

Die vorbereitete Unterrichtsstunde selbst wurde in sechs Phasen eingeteilt, welche jeweils spezifische Kompetenzen und Methoden fördern sollten. Die Jugendlichen arbeiteten nach eigenen Präferenzen in Gruppen zu zweit an einem iPad mit Kopfhörern mit integrierten Mikro.

erste Phase

Warm-Up der Stimme: Mit einigen kurzen Übungen, die gemeinsam stehend in der Gruppe durchgeführt werden, soll zum einen die Stimme gelockert werden, zum anderen auch eine positive Gruppendynamik aufgebaut und Hemmnisse der Jugendlichen reduziert werden.
Der Gruppenprozeß, Lockerung und Ermutigung zum tönen mit der eigenen Stimme – mit viel Lachen gespickt – war energetisierend.

Eine Teilnehmerin – auf Gehhilfen angewiesen- konnte eingeschränkt im Sitzen mitmachen. Eine weitere Schülerin hatte Rückenprobleme und konnte erst im Laufe der Atmungsübungen sanft einsteigen.

Am Ende der Erwärmung wurde gefragt, welche Erfahrungen die Schüler_innen  mit Apps haben. Zwei hatten  Erfahrungen, zum einen eine  Klavierapp (App Flowkey)  und zum anderen mit einer MischpultApp.

Um zu ermöglichen, dass die Schüler_innen selbständig mit dem Problem des Absturzes von Apps umgehen können, erklärte Andreas die Verbindung der drei Apps.

zweite Phase

Die Schüler_innen wurden aufgefordert sich in Zweiergruppen an die Tische zu setzen, die jeweils mit einem iPad und zwei Kopfhörern vorbereitet waren. Einer der Kopfhörer war mit einem Mikrofon ausgestattet, das beide nutzen – oft auch zweistimmig. Alle iPads waren gleich konfiguriert und gestartet

Auf den iPads war die App  “Improvox” aufgerufen.

Mit der App ImproVox haben die Jugendlichen nun zuerst mit diversen Effekten ihre Stimmen experimentell exploriert. ImproVox selbst ist in seinen Einstellmöglichkeiten und der Menüführung überschaubar, intuitiv …

Damit wird der Einstieg in die Arbeit mit dem iPad erleichtert und mögliche Hindernisse reduziert.

Audiobus unterstützt die Sammlung und verbindung von Musik- und Sound- Apps .

Sobald eine App mit Audiobus kompatibel ist, wird entweder ein Signaleingang, ein Effektprozessor oder ein Signalausgang zur verfügung gestellt.

Der Übergang in die darauf folgende Phase konnte von den Schüler_innen selbstständig bestimmt werden. Dabei kann Rücksicht auf die individuelle Geschwindigkeit genommen werden. Die Lehrenden sind in diesem Übergang von Tisch zu Tisch gegangen, um den Übergang in die dritte Phase individuell zu unterstützen.

dritte  Phase

In dieser Phase werden die für die weitere Arbeit benötigen Apps vorgestellt. Dazu hatte das Team für die Schüler_innen Tutorial-Videos vorbereitet, die auf den iPads verfügbar waren. In diesen Videos wurden die wesentlichen Funktionen der für die Aufgabe zentralen App beschreibt.

Mit dem Tutorial soll an bestehende Erfahrungswerte und die Lebensrealität der Jugendlichen angeknüpft werden. Die gängige Praxis, des auralen Lernens wird durch das schauen von Tutorials aufgegriffen und den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, bei Fragen und Problemen sich zuerst selbstständig das notwendige Wissen aneignen und erschließen zu können. Im weiteren können die Jugendlichen auch immer wieder an eine bestimmte Position im Video springen und die Schritte selbst wiederholen.

In dem Tutorial begrüßen wir die Zuschauer, stellen die Inhaltsangabe der fünf Kapitel vor und erklären das Aufnehmen mit der App.

Im zweiten Tutorial wird gezeigt, wie die Loops bearbeitet und wie die Längen der Loops sowie das Metronom eingestellt werden

Mehrere Schüler_innen gaben am Ende das Feedback, dass ihnen die kurzen Videos sehr geholfen haben. Eine Teilnehmerin betonte, dass ihr die Videos situativ zur Problemlösung verfügbar waren.

vierte Phase

In der vierten Phase stand die App Loopy HD im Zentrum. Loopy HD ist eine Musik App, mit der sehr einfach kurze Sequenzen aufgenommen und übereinander geschichtet werden können; beispielsweise haben Sänger die Möglichkeit, schnell einen ganzen Chorsatz am Stück einzusingen.

Die App Loopy wurde mit einem Tutorial-Video eingeführt und die kreativen Möglichkeiten der Jugendlichen durch Aufnahme von Loops erweitert.

Appmusik_tAPP_Loopy_Workshop

Wer Effekte (beispielsweise zur Verfremdung der Stimme) aus einer weiteren App nutzen möchte, kann über die App Audiobus eine Verbindung zu dieser herstellen. In unserem Beispiel haben wir die App improVox (siehe oben) eingefügt. So kann auch die verfremdete Stimme aufgenommen werden.

Die Schüler_innen hatten durch die Tutorial-Videos einen Einblick in den Umgang mit Loopy HD erhalten. Trotzdem schienen die Schüler_innen vom Aufnahmeprozess überfordert. Es wurden Aufnahmen gemacht, die dann auch wieder schnell gelöscht wurden. Auch wurden mehrere Aufnahmen ohne erkennbaren Bezug nebeneinander aufgenommen. Das typisch additive Vorgehen beim Loopen wurde von den Schüler_innen nicht umgesetzt.

fünfte Phase

Die Jugendlichen wurden angehalten, die aufgenommen Loops in eine musikalische/zeitliche Struktur zu bringen und ein Arrangement zu entwickeln, mit klar definierten Anfang und Ende. Idee war, dass sie dazu mehrere Loops aufnehmen, um dann bei der Performance zu entscheiden, welche Loops erklingen und welche pausieren. Darüber hinaus sollten sie sich einen Titel und ein Thema für ihr Stück überlegen. Leider blieb für diese Phase nicht genug Zeit.

Eine weitere Unterrichtseinheit würde den künstlerischen und kompositorischen Möglichkeiten dienen. Das persönliche musikalische Potential wäre da gewesen …

sechste Phase

Abschliessend präsentieren alle Gruppen sich gegenseitig ihre Arbeitsergebnisse. Angeleitet durch die Lehrenden kommen sie über ihre Performance sowie den Titel und das Thema ihrer jeweiligen Stücke in eine gemeinsam Reflektion über ihr Handeln und ihren künstlerischen Ausdruck.

Reflektion

Nach der Präsentation wurde jede der 8 Schüler_innen im Stuhlkreis in Bezug auf das Projekt befragt.

Nach dem Dafürhalten aller Beteiligten wurde klar, dass die Einschätzung und Umsetzung der bestehenden Zeitressourcen noch optimiert werden kann.

Erkenntnisse für eine überarbeitete Konzeption

Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Schüler_innen die Looptechnik nicht kannten. Um zu erreichen, dass die Schüler_innen typisch additiv vorgehen und nacheinander mehre Loops übereinander schichten, würden wir das nächste Mal ein YouTube-Video von einem Loopartist zeigen oder selbst ein kurzes Demovideo produzieren..Das Demovideo sollte einen Gesangstrack enthalten, in dem systematisch Stimmen geschichtet werden. Dadurch hätten die Schüler_innen einen Best Practice Case, an dem sie sich orientieren könnten.

Interessant fanden wir, dass die Kopfhörer einen eigenen Raum schaffen, in dem individuelles und Arbeiten möglich ist. Dies schafft eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre sowie einen geschützten Raum zum Experimentieren.

Ursprünglich war das Musikprojekt auf zwei Unterrichtseinheiten konzipiert. Leider musste das Konzept auf die Schulstunde zeitlich reduziert werden.

Unerwartete Ergebnisse am Ende des Arbeitsprozesse können im Vorfeld mit Ansagen klarer Kategorien der Bewertung eingegrenzt werden.

Durch die insgesamt 15 tägige Vorbereitungszeit waren die Teilnehmer gut auf eventuell auftretende Situationen vorbereitet.


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