Der Klang einer Papierstadt- eine akustische Reise mit Vorschulkindern

anja | 3. Juli 2016

Loopy, Keezy und ThumbJam- in den letzten Wochen habe ich eine Menge an tollen Apps in meine musikpädagogische Arbeit eingebaut. Im Rahmen unseres tapp-Praxisprojekts wollte ich mir gern etwas mehr trauen und den Versuch starten mit einer ganz anderen Musikapp zu arbeiten: Borderlands granular!

In drei Tagen haben wir mit sechzehn Kindern das Thema Papier auf die unterschiedlichsten Arten bearbeitet. Im Vordergrund stand dabei vor allem die kreative Arbeit mit Musikapps (wie ihr unter anderem in Almuts Beitrag lesen könnt).

Vielleicht habt ihr ja schon über das Projekt „knitter.KLÄNGE“ gelesen? Im verlinkten Blogartikel erfahrt ihr alles über die Konzeption, unsere Ziele und die Finanzierung unseres Projekts. 

Im folgenden möchte ich euch über meine Einheiten im Projekt berichten, die ich mit Team #Knitter bestritten habe.

 

Das Material kennen lernen….

Durch verschiedene Übungen aus der klassischen Elementarpädagogik konnten sich die Kinder im Umgang mit dem Material ausprobieren.

Methodisch empfand ich diese Einführung als sehr sinnvoll, da die Teilnehmer*Innen durch die Gruppe viele kreative Ideen für das Musizieren mit Papier sammeln konnten.

Dadurch entwickelten sie nicht nur wichtiges Feingefühl für verschiedene Geräusche sondern schulten nebenbei noch ihre Aufmerksamkeit für die Gruppe und das künstlerische Schaffen der anderen Teilnehmer*Innen.

In einem Drumcircle konnte so jedes Kind eine große Variation an Möglichkeiten kennen lernen und vor allem die gefühlt 100 verschiedenen Papierarten aus unserer Materialkiste explorieren.

Im Zusammenspiel des Drumcircle wurden die Kinder dabei entweder als Geräuschorchester oder Dirigent*Innen aktiv.

Das Material gestalterisch nutzen…

In der nächsten Einheit wurde dann erst einmal gestalterisch mit den Tablets gearbeitet. Gemeinsam trugen wir unsere Gedanken zur Papierstadt zusammen.

Denn bevor wir die Geräuschkulisse einer Stadt gestalten konnten, mussten wir erst einmal herausfinden, wie „Papyrus“ eigentlich aussieht.

Dazu visualisierte ich alle Ideen der Kinder als Zeichnung.

Schnell begannen erste Kinder teile der Papiertstadt zeichnerisch umzusetzen und auszuschneiden. Diese vielen kleinen Details trugen wird dann auf unserem Arbeitstisch zusammen der als Hintergrund für unseren Film dienen sollte.

Kurz und knapp erklärte ich Anschluss den Kindern „OSnap!“. Die Kinder begannen, nach einer kurzen Absprache untereinander, sofort damit die einzelnen Fotos zu schießen. Diese Aufnahmen sollten am Ende unseren kleinen Film ergeben.

Diese App ist meiner Meinung nach sehr empfehlenswert für Kinder im Vorschulalter. Da das Interface ohne Sprache funktioniert und durch intuitive Bedienung überzeugt konnten die Teilnehmer*Innen komplett selbstständig arbeiten.

Natürlich lassen sich im Film kleine Schönheitsmakel (Füße oder Finger im Foto) erkennen. Trotzdem ist es mit keinem anderen Tool möglich in so kurzer Zeit (15 min) einen kleinen Film zu erschaffen.

Das Material…. „Wie? Das ist immernoch dieses Papier?“

Motiviert und inspiriert durch unsere Vorstellung der Papierstadt starteten wir im Anschluss in die Arbeit mit Borderlands granular.

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erste Versuche mit der App Borderlands (iOS)

Im Vorfeld des Projekts war ich sehr skeptisch ob diese App wirklich die richtige Wahl für die Arbeit mit Vorschulkindern ist. Meine Zweifel sollten sich nicht bestätigen!

Nach einer kurzen Einführung und Gruppeneinteilung starteten die Kinder in Teams mit jeweils zwei Teilnehmer*Innen in die Gruppenarbeit.

Erst einmal war es Aufgabe sich an den verschieden voreingestellten Samples auszuprobieren.

Im Mittelpunkt stand hier die selbständige Nutzung der Apps. Also das Aufrufen, Einstellen, Laustärke etc.

Im Rotationsprinzip konnte ich dann an allen drei Arbeitstischen noch weitere Funktionen der App erklären.

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Ausprobieren, Aufnehmen, Materialsuche, Aufnahmen löschen- ein langer Prozess mit tollen Ergebnissen!

Im letzten Schritt haben die Kinder dann mit Hilfe eines IRig Papiergeräusche aufgenommen. Dabei habe ich mich sehr spontan gegen Audioshare entschieden sondern einfach die Aufnahmefunktion in Borderlands granular vorgestellt.

An dieser Stelle konnten die Kinder ihre „Lieblingsgeräusche“ aus der ersten Einheit aufnehmen und durch Borderlands bearbeiten und zu tollen Klangteppichen verarbeiten.

Die Kinder waren dabei mindestens genauso überzeugt von der Musikapp Borderlands granular wie ich. Vor allem die individuelle Anordnung und die unendlichen Möglichkeiten ein Geräusch zu verändern sorgten bei den Kindern nicht nur für viele Lacher sondern spornten sie an sehr konzentriert mit dieser App zu arbeiten.

Der letzte Arbeitsschritt bestand darin gemeinsam „lanscapes“ aufzunehmen.

Hier war viel Konzentration und Absprache zwischen den Kindern gefragt.

Am Ende haben die alle der drei Gruppen zwei verschiedene „lanscapes“ aufgenommen, die im Rahmen der Ausstellung in drei verschiedenen Etagen hörbar wurden.

Hier das ein Endergebnis zum Lauschen!

„Ich hab eine richtige Gänsehaut…“

Geräusche zu in „landcapes“ verwandeln fordert mit der App Borderlands granular viel Feingefühl und Ruhe. Die App bietet sehr viele Möglichkeiten einzelne Aufnahmen zu verändern und sie zu neuen Hörerlebnissen zu verarbeiten.

Ich war sehr erstaunt wie viel Ausdauer die Teilnehmer*Innen im Umgang mit den einzelnen Aufnahmen hatten und wie präzise sie die einzelnen Möglichkeiten der App genutzt haben. Trotzdem ist es schwierig die eigenen Vorstellungen mit der Arbeitsweise der Kinder in Balance zu halten. Borderlands granular lädt durch das ansprechende Interface natürlich auch dazu ein unzählige Kreise aufeinander zu häufen.

Im Vergleich zu anderen Apps brauchten die Kinder viele Hinweise und Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Ideen.

Die Wirkungen der „Borderlands- Werke“ der Teilnehmer*Innen hat in der finalen Ausstellung einen tollen Platz gefunden.

Überall war Papier zu sehen: ob in Bewegung, als Objekt, im Trickfilm oder als Installation- und durch unsere „landscapes“ mit den verarbeiten Papiergeräuschen auch überall zu hören.

Fazit

  • mir ist bewusst geworden, dass es methodisch sinnvoll ist klassische Aktionen aus der elementaren Musikpädagogik mit der Arbeit mit Tablets zu verbinden         #selbstsicherheit
  • es ist wichtig den Kindern genug Raum für Exploration zu geben: die Kinder konnten allein mit den verschiedenen Funktionen von borderlands granular 45 min selbstständig arbeiten #kreativwerden
  • auch Apps die nicht ausdrücklich für den Bereich der musikalischen Frühbildung entwickelt wurden eignen sich hervorragend um tolle Ergebnisse zu erzielen #musikalischefrüherziehung
  • selbstständiges und verantwortungsvolles Arbeiten mit den Geräten motiviert die Kinder selbst kreativ zu werden (Beispiel OSnap!) #verantwortung
  • Technik kann sowohl Teilnehmer*Innen als auch Anleiter*Innen verunsichern, bzw. bestimmte unvorhersehbare Situationen herbeiführen #learningbydoing
  • Einführungen (Beispiel Drumcircle) und thematische Aktionen (Beispiel Film) sind wichtig für Kinder um sich in das Thema rein zu denken  #inspiration

Was sagt ihr: habt ihr schon mal mit Apps in einem Kontext gearbeitet von denen ihr vorher dachtet sie wären nur für ein bestimmtes Klientel geeignet?

Hat jemand von euch vielleicht schon mal Borderlands granular in einem Projekt mit Vorschulkindern benutzt?

Ich freue mich sehr über Anregungen und Austausch!

Bald folgt noch Videomaterial. Bleibt dran und seid gespannt!


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