„Wie klingt Papier?“ – Tablets in der elementaren Musikpädagogik

Almut Voigt | 3. Juli 2016

IMG_0155

“Kleine Geister interessieren sich für das Außergewöhnliche, große Geister für das Gewöhnliche.” Elbert Hubbard
Denn im Gewöhnlichen steckt oft mehr Überraschendes, als wir uns vorstellen können!

Wie wir auf die Idee kamen…

Bei unserem interdisziplinären Projekt #knitter.KLÄNGE für ca. 12 Kinder im Grundschulalter sollte es genau um die Überraschungen im Alltäglichen gehen. Denn im Mittelpunkt stand das Material Papier.

Obwohl das Thema vielleicht außergewöhnlich für ein Musikprojekt ist, ist es doch in unserem Alltag allgegenwärtig – von der Brötchentüte bis hin zum Plakat. Wir wollten das ganze mal nicht mit unseren Augen betrachten, sondern mit unseren Ohren. Und welches Instrument bietet uns dafür bessere Möglichkeiten als unserer Tablets?

Inspiriert von einem Workshop von Prof. Joachim Ludwig im Rahmen des Zertifikationskurs tAPP wollten wir uns mehr mit der Dekontextualisierung von Alltäglichem im Bereich der Elementarpädagogik beschäftigen.

IMG_0138

Unser Material steht (liegt) im Vordergrund

Ihr wollt mehr wissen über eine Projektidee, die moderne Technologien mit klassischer elementarer Musikpädagogik verbindet? Und das Budget, was euch für das Projekt zur Verfügung steht ist ebenfalls nicht zu reichlich bemessen? Dann lest weiter!

 

Die Rahmenbedingungen…

Unser Projekt #knitter.KLÄNGE fand vom 6.-8. Juni 2016 in Döbeln, Mittelsachsen statt. An unserem Projekt nahmen 15 Vorschulkinder des ev. Kindergartens St. Florian Döbeln teil. Wir kooperierten außerdem mit dem soziokulturellen Verein Treibhaus e.V. in dessen Räumen das Projekt und die Ausstellung stattfanden. Montag und Dienstag trafen wir uns jeweils von 9-14 Uhr, mittwochs von 9-12 Uhr und nachher zur Ausstellungseröffnung um 16 Uhr.

Eine finanzielle Unterstützung von 400€ erhielten wir von Think Big, einem Programm für junge Projektinitiativen der Telefonica Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Dort haben wir unser Projekt übrigens in einem kleinen Blog dokumentiert. Think Big unterstützt relativ unkompliziert Projekte und hat einfache Förderbedingungen – war also für unser Projekt perfekt.

 

Was wir erreichen wollen…

borderlands

Die Kinder nutzen selbstbewusst die Aufnahmefunktion von borderlands granular und probieren sich mit den Materialien aus

  • Während des dreitägigen Projektes sollen sich die Kinder als Kunstschaffende wahrnehmen und individuelle Ausdrucks- möglichkeiten kennenlernen und erproben. In einer Ausstellung bekommen die Kinder die Möglichkeit ihre Ergebnisse in einem angemessenen Rahmen vor Besucher*innen zu präsentieren. Die Kinder erfahren so Selbstwirksamkeit. #handlungskompetenzen
  • Wir schaffen Raum für einen reflektierten Umgang mit einem Gegenstand, durch verschiedene Aktionen zum Thema Papier, die wir drei Tage lang mit den Kindern erleben werden. In der Ausstellung werden alle Beteiligten den Gegenstand Papier in einem ganz anderen Kontext kennenlernen. #reflexion #dekontextualisierung
  • Die Nutzung von iPads fördert die Medienkompetenz der Kinder und gibt Anregungen für einen künstlerischen Umgang mit modernen Technologien. #medienkompetenz
  • Die Kinder erleben positive Gruppenprozesse während des gemeinsamen Musizierens und anderen künstlerischen Tätigkeiten. Sie erleben einen wertschätzenden Umgang miteinander. #teambuilding #peertopeerlearning

 

Aktionen mit iPads und dem Material…

  • DrumCircle und Madpad

In dieser Aktion ging es darum möglichst viele Papiergeräusche zu entdecken und daraus Musik entstehen zu lassen. Der erste Schritt war eine Explorationsphase. Was heißt: Jedes Kind nimmt sich Papier und sucht in einer bestimmten Zeit so viele Geräusche wie möglich. Die Aufgabe ist es ein Lieblingsgeräusch zu finden und dieses den anderen Kindern zu zeigen. Danach folgte eine Aktion, die in der klassischen Elementarpädagogik häufig anzutreffen ist: der Drum Circle. Ein*e Dirigent*in gibt mit Handzeichen vor wer und wie laut gespielt wird. Außerdem legt er*sie Anfang und Ende für die Musik fest. Dann sollten jeweils 2 bis 3 Kinder mit einem iPad aus den vielen verschieden Geräuschen 12 auswählen und mit MadPad aufnehmen. Auf dem selbst erstellten MadPad musizierten die Kinder dann. Als Abschluss improvisierten die Kinder auf den MadPads vor der ganzen Gruppe.

Hier seht ihr die Präsentation einer Gruppe. Die MadPad Videos auf der Leinwand sorgten nicht nur bei den Kindern für große Lacher.

Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, dann schaut euch die Blogartikel zu den Einzelprojekten an.

 

IMG_0152

Die Papierquallen schmückten den Eingangsbereich unserer Ausstellung – die Kellertreppe

 

Unser Fazit…

Im Großen und Ganzen haben wir unser Projekt sehr positiv erlebt, auch die Kinder und Erzieher*innen äußerten sich begeistert und positiv überrascht.

  • Die Vielfalt unserer Ausstellung konnte nur durch die Arbeit mit iPads ermöglicht werden. Eine Band aus Vorschulkindern mit Gitarren, Schlagzeug und Klavier hätte wohl nicht innerhalb von 3 Tagen selber einen Song komponieren und präsentieren können. Auch die Trickfilmproduktion und die Verfremdung der Papiergeräusche wäre ohne iPads nicht möglich gewesen. #sovielemöglichkeiten
  • Außerdem war das Projekt für uns eine positive Erfahrung hinsichtlich der Benutzung von Apps, die nicht speziell für Vorschulkinderkonzipiert sind. Zum Beispiel borderlands granular hat uns überzeugt. #appsforkids

    installation 2

    Die Lichtinstallation mit den Werken der Kinder

  • „Wir wollen nochmal mit den iPads Musik machen“ → im Gegensatz zu vielen Erwachsenen, die ihre Erfahrungen auf Musikapps als „schöne Spielerei“ abtun, haben die Kinder genau verstanden, was iPads sein können, nämlich: #musikinstrumente
  • Neben der Arbeit mit iPads ist es immer wieder schön zu gestalten und zu spielen. Den Bewegungsdrang von Vorschulkindern als Ausgleich zum konzentrierten Arbeiten mit iPads zu berücksichtigen fördert das Gelingen des Projekts und bringt allen mehr Spaß.#teambuilding
  • Sinnvolle Absprachen mit den Erzieher*innen sind grundlegend für das Gelingen des Projekts.#zusammenarbeit #kooperation
  • Die Ausstellung war ein voller Erfolg mit ungefähr 40 Besucher*innen. Es war ein tolles künstlerisches Ergebnis! #selbstwirksamkeit

 

Zu kritisieren…

  • Durch die Ausstellung hatten wir ein großes Ziel für die 3 Tage. Wir arbeiteten auf die Ausstellung hin, die Ausstellung motivierte uns und war der Höhepunkt. Allerdings war unser Projekt dadurch sehr zielorientiert und ließ wenig Platz für die sich im Prozess ergebenden Bedürfnisse der Kinder. #beimnächstenmal
  • Wir hatten einige technische Unsicherheiten in Bezug auf die Transfer und die Verbindung der iPads. Die iPads sind einfach Technologien mit denen wir noch nicht sehr vertraut sind. Deshalb bringen kleine technische Unstimmigkeiten hin und wieder an die Grenzen unseres Könnens. #learningbydoing

 

Was sagt ihr?

Habt ihr schon einmal Projekte für Vorschulkinder mit Tablets konzipiert? Wie gelingt euch ein bedürfnisorientiertes, konzentriertes Arbeiten mit Apps?

Wenn euch unser Projekt interessiert, ihr Nachfragen oder Tipps habt, meldet euch gern bei uns oder schreibt einen Kommentar!

 

Die Dokumentation ist im Rahmen unserer Kooperation mit Medienpädagogik Döbeln und dem Treibhaus e.V. entstanden. Hier könnt ihr sehen, wie wir die 3 Tage verbracht haben, wie die Kinder auf den iPads musizieren und wie unsere Ausstellung aussah. Viel Spaß dabei!

Almut Voigt ist studierte Musikpädagogin und Musikerin. Mit ihrer Tätigkeit als freie Musikpädagogin liegt ihr Schwerpunkt bei digitalen Medien in der Musik- und Kunstpädagogik, derzeit in und um Leipzig/Sachsen.


2 Antworten zu “„Wie klingt Papier?“ – Tablets in der elementaren Musikpädagogik”

  1. […] habt ihr ja schon über das Projekt „knitter.KLÄNGE“ gelesen? Im verlinkten Blogartikel erfahrt ihr alles über die Konzeption, unsere Ziele und die […]

  2. […] zwei kleine Projekte. Mehr zu dem Projekt #knitter.KLÄNGE könnt ihr auf dem Blogartikel „Wie klingt Papier? – Tablets in der Elementaren Musikpädagogik“ nachlesen. In dem von mir angeleiteten Projekt ging es darum eine Hymne für die fiktive Stadt aus […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.