tAPPerklärt – SoundPrism (iOS)

Jürgen Grohs | 17. April 2016

Klangkosmos in perfekter Harmonie – so würde ich die App SoundPrism bezeichnen. Schon mit zwei Fingern kann man mit dieser Musikapp 4-stimmige Akkorde spielen, um z.B. Lieder zu begleiten. Dabei kann der Nutzer aus vielfältigen Klängen wählen.

Mit der Serie »tAPPerklärt« wollen wir in diesem Blog interessante Musikapps vorstellen und so einen Überblick über die Vielfalt bieten. Einige der Beiträge entstehen im Rahmen des »Zertifikatskurses tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung«.

Die ideale Ergänzung zu Drumgrooves, die beispielsweise mit der App Patterning erstellt werden können, ist diese App – sofern man ein Freund harmonischer Strukturen ist (was auf den Autor dieses Artikels zutrifft). Sie bietet die Möglichkeit, auf einfachste Art & Weise breit angelegte Klangteppiche zu erzeugen oder pumpende Basssequenzen zu kreieren. Gleichzeitig können auch einfache Melodiesequenzen gespielt werden.

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Das Bedienfeld von SoundPrism: linke Spalte = Harmonien von D-Dur in Terzschichtung.

SoundPrism – aus dem Hause AUDANIKA – ist im AppStore in vier Varianten für iPhone und iPad (eine Android-Version ist leider nicht verfügbar) erhältlich: Neben der kostenlosen, aber auch funktional eingeschränkten Version von SoundPrism (mit nur 4 Sounds), findet man SP Pro, SP Elektro (SP Elektro Mini nur für iPhone) und SP LinkEdition. Auf letztgenannte beziehe ich mich in diesem Artikel. Jede App kann separat erworben werden zum Preis von 4,99€. Im Bundle gibt’s alle drei für 9,99€.

Die Elektro- und LinkEdition-Version unterscheiden sich besonders durch die Integration von Ableton Link und durch das mitgelieferte Soundpaket, das in der LinkEdition wesentlich umfangreicher ist. Das Sounddesign stammt von Oliver Imseng. Mehr Informationen dazu findet man bei soundprism.com und audanika.com sowie auf YouTube, Facebook und Twitter.

Bedienfelder und Spielweise

Die 1. Spalte (unter “Presets”) zeigt die jeweilige Tonart, in der man sich befindet, der Grundton steht in der Mitte. Die Auflistung der einzelnen Tonleitertöne / Leitereigenen Harmonien erfolgt durchgängig in Terzen. Dabei sind Dur-Akkorde mit Groß- und Moll-Akkorde mit Kleinbuchstaben gekennzeichnet. Bei Druck auf die Buchstaben-Felder erzeugt man wahlweise einen Basston oder einen 3- oder 4-stimmigen (Leitereigenen Akkord). Dies stellt man in der 4. Spalte ein.

In der 2. Spalte kann man mit den “rauf-/runter” – Symbolen (< >) die ansonsten perfekte Dur-/Moll-Harmonie („zwei Terzen im 4/4-Takt…“) verändern, relativieren oder zerstören, bevor man einen “Terzinfarkt” erleidet: jeder Ton lässt sich um einen Halbton rauf- und runter setzen. Hier findet man also zusätzliche # und b.

Die 3. Spalte beinhaltet die Hold-Taste (dargestellt mit dem Handsymbol). Ist sie aktiviert bleibt der Akkord auch ohne Druck auf die entsprechende Taste liegen. Darüber hinaus findet man dort den “Ribbon-Controller”, mit dessen Hilfe man in Abhängigkeit vom gewählten Preset durch vertikale Verschiebung einzelne Parameter des Sounds variieren kann, wie die Frequenz oder das Schwingungsverhalten.

In der 4. Spalte (unter ‘Einstellungen’) lassen sich die grundlegenden Spielparameter einstellen. Mit den Rauf-/Runter-Tastern lässt sich in Abfolge des Quintenzirkels die Tonart bestimmen, während die 4 mittleren Felder die Verteilung von Bass, Akkord und Melodie auf die Bedienfelder links (1. Spalte) und rechts (5. Spalte) regeln. Von oben nach unten:
links Bass / rechts 3stimmiger Akkord;
links Bass / rechts 4stimmiger Akkord;
links 3stimmiger Akkord / rechts Melodie;
links 4stimmiger Akkord / rechts Melodie.

Das breite Spielfeld der 5. Spalte ist in der vertikalen Achse aufgebaut wie die 1. Spalte. Zusätzlich kann man allerdings denselben Ton in verschiedenen Oktaven spielen, indem man in der Horizontalen zum nächsten dunklen Feld wandert. Dasselbe gilt natürlich auch für Akkorde, die man rechts spielt, zudem kann man allerdings in den helleren Feldern zwischen den dunklen “Grundtonfeldern” die Akkordumkehrungen produzieren.

Bewertung:

Wie in der Beschreibung bereits angedeutet eignet sich diese App neben den klanglichen Eigenschaften auch hervorragend um harmonische Strukturen zu erkennen und begreiflich zu machen und die Grundlagen der klassischen Harmonielehre zu vermitteln, wie z.B. Quintenzirkel, Terzschichtung, leitereigene Drei- und Vierklänge.

Für alle die breitangelegte Klangteppiche, lange fette Basstöne und sphärische Melodiesequenzen in ihren Produktionen verwenden wollen ist dies sicherlich eine sehr attraktive App. Wer kaputte Sounds und intuitiv erstellbare Dissonanzen präferiert schaut sich am besten was anderes an. Denn hier gibt’s in der Grundeinstellung mainstreamhörgewohnheitenkompatible Klänge, was ich durchweg nicht negativ werte. Vielmehr ist diese App ein wertvolles Tool, um auf einfachem Wege radiotaugliche Produktionen zu erstellen.

 

Fazit:

In Verbindung mit einer Drumprogramming-App und einem/r Sänger/in kann man quasi intuitiv gefällige Songs erstellen. In Anlehnung an einen alten Rodgau Monotones-Song, in dem es heißt “Zwei und ein Eimer – das ist schon ‘ne Band” kann man also sagen: “SoundPrism und ein Beat – das ist schon ein Song”!

 

Links:

http://www.audanika.com/

http://www.soundprism.com/

https://itunes.apple.com/us/app/soundprism-link-edition/id1076101563?mt=8

 

Jürgen Grohs ist Gitarrist und Sänger. Er spielt & singt in diversen Bands, unterrichtet Gitarre, Ukulele & E-Bass und war Teilnehmer des Zertifikatskurses tAPP2. Seit 2016 ist er aktiv im app2music e.V.: er leitet appmusik-Workshops und führt an Berliner Schulen Appmusik-AGs, Projekttage und sogenannte Tandems (Appmusik-Projekte als Erweiterung des regulären Musikunterrichts) durch.

3 Antworten zu “tAPPerklärt – SoundPrism (iOS)”

  1. […] (Stufentheorie). Auf zwei Geräten war bereits die kostenlose App „SoundPrism“ (siehe „tApp erklärt“) installiert, so dass jeweils zwei Kinder versuchen konnten, die Akkordfolge zu spielen, […]

  2. […] tAPPerklärt – SoundPrism (iOS) […]

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